Donnerstag, 2. Juni 2016

Feng Shui gegen das ... Moment. Das war ja was anderes.

Ich habe keine Ahnung, wo es hingekommen ist, dieses supertolle Buch über das Aufräumen. Ich bin eigentlich so gar kein Feng-Shui-Typ, aber "Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags" war ein absoluter Glücksgriff . Es ist bestimmt schon über 15 Jahre her, dass mir das Buch aus dem GU-Verlag, der ja für alles gute Ratschläge in bunt, bunter, am buntesten in Petto hat, in die Finger kam und aus irgendeinem Grund habe ich es gekauft. Die Autorin ist in Punkto Aufräumen so gründlich, dass sie sogar das Thema Darmreinigung auf das Allergründlichste erörtert - und auch, wenn ich letzteres tunlichst vermeide, habe ich zum Ausmisten seitdem ein fast ekstatisches Verhältnis. Und es kekst mich an, dass ich schon so lange nicht mehr  Zeit hatte, hier mal wieder klar Schiff zu machen und mich vor allem von unheimlich viel Baby- und Kinderzeug zu trennen, man kennt das ja... Aber das ist eigentlich gar nicht so sehr das Thema, über das ich mich auslassen wollte - es ist nur eine unheimlich elegante Einleitung.

Meine Mutter hat mich darauf gebracht. Ich habe versucht, ihr irgendwie begreiflich zu machen, in welchem Stadium ich mich mit meiner Masterarbeit gerade befinde. Denn ich sitze eigentlich - abgesehen von den 2 Tagen, in denen ich tatsächlich für Geld arbeite, dauernd daran und rechne, schreibe, verschaffe mir einen Überblick, lese, fasse zusammen... und irgendwie ist nichts von den mindestens 80 Seiten, die ich schreiben sollte, zu Papier gebracht. Das gibt einem irgendwann schon zu denken.

Sie verglich das Ganze dann mit einer großen Aufräum-Aktion und tatsächlich kenne ich genau das: Wenn mich so richtig der Rappel packt und ich plötzlich wie ein Duracell-Hase durch die Wohnung wusle mit dem festen Vorsatz, mal so richtig Ordnung (meist bedeutet das: in meine Gedanken...) zu machen, arbeite ich stundenlang wie im Rausch - und irgendwann schaue ich mich um und könnte heulen, denn ich blicke auf einen substanziellen, riesengroßen

Saustall.

Meist gehen dann keine Türen mehr auf oder zu und auf jedem Tisch, auf jeder Ablage, auf jedem Quadratzentimeter des Fußbodens steht oder liegt irgendwas herum. Und es ist schon Abend.

Das Ganze endet dann meist wie durch ein Wunder vergleichsweise wenige Stunden später, nämlich so gegen 22 Uhr und ich stehe in einem perfekt aufgeräumten, sauberen Zuhause, in dem ich plötzlich viel freier atmen kann und plumpse anschließend glücklich und erledigt in mein frisch überzogenes Bett.

So in etwa erhoffe ich mir den weiteren Verlauf meiner Arbeit auch. Wobei die zeitlichen Relationen nochmal etwas anders ausfallen müssten, denn das Lektorat ist für Mitte August angesetzt und wie wir alle wissen, sind da schon längst Sommerferien - der Hort hat natürlich ausgerechnet dann geschlossen (Juhu.).

Ich habe vor über einem Jahr mit diesem riesen Projekt angefangen. Wenn ich gewusst hätte, wie gnadenlos ich mich damit übernehme, hätte ich es mir vielleicht wirklich nochmal anders überlegt... monatelanges Programmieren und Testen (mit -zig Wiederholungsschleifen wegen immer neuer Fehler in den wenn-dann-Filtern) der online-Befragung mit dem kleinen Zusatz, nebenher mal einen Blog zu basteln, damit meine Teilnehmerinnen und jeder, den es (nicht) interessiert, ein bisschen verfolgen kann, wem er (also sie) ihre Freizeit geopfert hat, um sich über sein Privatleben löchern zu lassen.  - zwischenrein das Kind einschulen - und im Nachhinein feststellen, dass die Befragung so saudoof codiert war, dass ich nach dem Ziehen des Datensatzes erst mal einen erheblichen Anteil meiner über 400 Variablen umcodieren musste. Und vorher drüber nachdenken! Sich wieder in SPSS einarbeiten. Zwischenrein immer wieder mal ein bisschen Geld verdienen. Den Faden verlieren. Nochmal von vorne anfangen. Fehler finden. Nochmal von vorne anfangen. Weitere Fehler finden. Nochmal von vorne anfangen. Methodenteil schreiben. Rechnen, rechnen, rechnen. Irgendwie das Gefühl haben, nichts mehr nachvollziehen zu können. NOCHMAL VON VORNE ANFANGEN.

Mittlerweile habe ich glaube ich so ziemlich alles (an einfachen Verfahren und ein bisschen kompliziertere auch) gerechnet, dass ich gar nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht. Mein Ordner ist voll mit Unterordnern, Syntax-, Output- und Excel-"Übersicht"s-Dateien, dass ich schon wieder eine Übersicht bräuchte, was nun eigentlich was ist...
Und eigentlich wollte ich im Mai die Statistik abschließen.

Natürlich funkt das "echte" Leben auch immer wieder mal dazwischen. Ich lasse an dieser Stelle mal Seth Gecko sprechen (Ich selbst sage sowas natürlich nicht. Also nicht laut. Also nicht in der Öffentlichkeit.) :



(Übrigens meiner Meinung nach eine der wenigen Filmszenen, die in der synchronisierten Variante um so vieles witziger sind, als in der Originalversion. "The world is my oyster" ist zwar auch ziemlich lässig, aber hiervon weit, weit entfernt.)

Ansonsten gehört ein beträchtlicher Teil meiner Aufmerksamkeit einer ganz anderen Baustelle - meinem Job und einem Thema, an der mein Herz sehr hängt. Da wird in nächster Zeit auch geballte Kompetenz und vor allem ein gutes Netzwerk gebraucht, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Und gerade deswegen muss diese Masterarbeit nun endlich abgeschlossen werden.

Insofern: Ich werde mir nun die Finger wund schreiben! Und hoffentlich kann ich, wenn ich nächstes Mal Zeit zum Posten finde, etwas über meine Ergebnisse berichten und die Frage beantworten, was eine alleinerziehende Mutter überhaupt davon hat, eine neue Partnerschaft einzugehen oder ob das nur ein Haufen Stress und ergo vergebliche Liebesmüh ist. Denn genau darum ging es mir - sowas muss man schon mal mit wissenschaftlichen Mitteln klären, finde ich.

Montag, 11. April 2016

Reality bites

"Und, wie läuft's?"
"Naja. Nicht so toll."
"Was los, erzähl!"

In letzter Zeit kommt es immer häufiger vor, dass ich an dieser Stelle sage, dass ich nicht darüber reden will. Sowas mochte ich eigentlich nie. Ich habe es immer vorgezogen, mindestens eine kurze Antwort zu geben, weil ich immer dachte, dass mein Gegenüber sonst anfangen würde zu spekulieren oder es einfach so wirke, als wolle ich mich einfach interessanter machen. Und einfach zu sagen "Mir geht's gut.", wenn es nicht der Fall ist, ist nicht meins.

Was ist passiert? Nichts. Dabei wäre es höchste Zeit, dass etwas passiert.

Es ist noch nicht lange her, da habe ich Freudentränen vergossen. Weil es ganz so aussah, als ob endlich Licht am Ende des Tunnels zu sehen sei. Das Studium neigt sich dem Ende entgegen und seit Mitte 2013 arbeite ich eigentlich gezielt auf ein Ziel hin, nämlich nach dem Studium wissenschaftlich tätig sein zu können, wobei eine Promotionsmöglichkeit das Sahnehäubchen sein sollte. Nur ist das natürlich nicht ganz so einfach, wenn man
a) räumlich nicht flexibel ist, weil man sein Kind nicht aus seinem gewohnten Umfeld herausreißen und erst recht nicht von dem klein wenig Familienanschluss trennen möchte
b) man altersmäßig aus dem Rahmen der meisten Stipendien herausfällt und
c) man in die Rentenkasse einzahlen muss und aus der studentischen Krankenversicherung herausfällt, was eine Anstellung unverzichtbar und ein Stipendium, selbst, wenn man mit viel Glück eins bekäme, hinfällig macht.

Tatsächlich sah es bis vor Kurzem so aus, als ob es für mich zwei Möglichkeiten gebe. Ich habe mich nicht darauf verlassen, aber hatte das Gefühl, als ob es durchaus realistische Chanen geben könnte - "Alles wird gut.", dessen war ich mir schon relativ sicher.

Was tatsächlich geschehen ist, ist, dass ich nun eine 25%-Stelle habe - ein Traum. Ich darf mich mit einem Thema beschäftigten, das mich wissenschaftlich brennend interessiert und mit dem ich mich in letzter Zeit privat mehr beschäftigt habe, als ich es mir mit der noch nicht fertigen Masterarbeit leisten kann. Die Tatsache, dass ich mich nun gegen Bezahlung damit befassen darf, empfinde ich als großen Luxus. Und der Dienstausweis in der Tasche fühlt sich gut an.

Im Oktober darf ich den Dienstausweis dann auch wieder abgeben, die Stelle ist befristet und es sieht nicht gerade so aus, als ob es ein Danach gäbe - wie das halt so mit befristeten Stellen ist.

Mit meiner Masterarbeit möchte ich im Sommer fertig sein und nun weiß ich wieder nicht, was danach auf mich zukommt. Dafür weiß ich, was im Rahmen meiner Masterarbeit noch auf mich zukommt. In meiner großen Menge an Daten möchte ich herausfinden, was die Zusammenhänge zwischen Stress und Wohlbefinden bei alleinerziehenden Frauen mit neuem Partner moderiert - also welche Faktoren dazu führen, dass es einer Alleinerziehenden mit Freund besser oder schlechter geht. In einem Datensatz mit über 210.000 Zahlen. 

Dafür habe ich ein halbes Jahr Testverfahren zusammengestellt, an einer online-Befragung herumprogrammiert und die Daten von über 600 Frauen erhoben. Alleine. Und nun frage ich mich, warum ich mir so etwas angetan habe. Ich hätte mir ebenso gut ein Thema von einem Lehrstuhl geben lassen können - schon geplant und evt. mit einem fertigen Datensatz. Ein völlig legitimes und vernünftiges Vorgehen - hätte ich vermutlich auch gemacht, wäre ich nicht fest davon überzeugt, dass es sich lohnt, selbst etwas auf die Beine zu stellen, wenn man forschen will.

Ich war eigentlich immer davon überzeugt, dass sich der schwierigere Weg lohnt - nicht, weil ich ein naives Gerechtigkeitsempfinden habe, sondern, weil manche Dinge Zeit brauchen und weil man sich für Dinge, die es wert sind, anstrengen muss. Und ich habe wirklich gekämpft. Zähne zusammengebissen. Augen zu und durch. Im Moment fühle ich mich, als würde ich in jedem Lebensbereich trotz Anstrengung, Geduld und gutem Willen, Motivation und Einsatz scheitern.

Ja, ich weiß, das klingt furchtbar und pathetisch und jämmerlich. Aber irgendwann geht auch mir die Kraft aus. Die Unsicherheit macht mich mürbe.

Während ich das schreibe, bekomme ich Nachrichten von Söhnchens Papa, der mir begeistert und voller Stolz erzählt, wie süß die beiden Kinder miteinander sind.
Ich freue mich - nicht nur für ihn, sondern auch darüber, dass wir diesen Umgang miteinander gefunden haben und er mir solche Nachrichten überhaupt schreibt. Es ist gut zu wissen, dass es ihm und seiner kleinen Familie gut geht. Er ist glücklich.

Es ist nicht gut, darüber nachzudenken, wovon ich weit, weit entfernt bin und was ich vermutlich alles nicht haben werde.

Sonntag, 20. März 2016

Das lange gefürchtete Posting

Aus aktuellem Anlass.

Ich weiß nicht, ob es aus meinen Postings ersichtlich wird: Ich versuche, meine Schilderungen und Texte über das Leben als Alleinerziehende immer recht wenig emotional, dafür umso pragmatischer und optimistischer zu halten.

Wie ich schon einmal andeutete, ist das Alleinerziehendsein nicht unbedingt etwas, das überhaupt nicht zu mir, zu meiner Persönlichkeit "passt". Warum - das ist ein Thema, über das ich mich lang und breit auslassen könnte. Trotzdem ist es keine "selbst gewählte" Lebensform von mir.

Die Entscheidung, mich vom Vater meines Sohnes zu trennen und mit meinem Kind alleine zu leben, habe ich mir nicht leicht gemacht. Wahrscheinlich hätte es andere Frauen gegeben, die in einer vergleichbaren Situation geblieben wären, aber für mich gab es keine Alternative. Mich hat meine Entscheidung lang, lange geplagt. Auch heute kann ich mich nicht immer gut von den mit dieser Entscheidung verbundenen Gefühlen distanzieren.

Aber ich ziehe es eben durch. Und dazu gehört, dass ich mit meiner Situation nach Möglichkeit nicht hadere. Das hat sicherlich vielerlei Gründe, in denen sich meine Ambivalenz wiederspiegelt:

Einer davon ist, dass ich - das habe ich sicherlich auch schon irgendwann einmal ausgeführt - wie viele andere Alleinerziehende auch nicht genügend Abstand zu meinen Schuldgefühlen habe. Man kann - leider - auch hinter seiner Entscheidung stehen und trotzdem Schuldgefühle haben! Sie dominieren mich nicht, aber so ein kleines Hintergrundrauschen werde ich wohl noch länger mit mir herumtragen. Ich jammere nicht gern, das heißt, meine Schuldgefühle verbieten es mir, mich zu beklagen. Ein weiterer Grund ist, dass es mich in einen maximalen Dissonanzzustand brächte - eine ziemlich sinnlose Sache. Die Situation ist, wie sie ist, und so nehme ich sie an. Ich feiere sie nicht, aber ich möchte auch nicht unzufrieden sein.

Im Großen und Ganzen habe ich es sicherlich geschafft, mich für die positive, starke, optimistische Seite zu entschieden und diese auch nach außen zu transportieren. Ich habe schön öfter mal gehört, dass ich so eine "starke Frau" (oder, mein absolutes persönliches Un-Wort: "Powerfrau") sei. Ich mag diese Schublade nicht, aber gut. Ich denke, es ist nett gemeint. Nun passiert es aber doch manchmal: Dass ich an einem Punkt ankomme, an dem mir das Alleinerziehen zu viel ist. Tage, an denen ich maximal unglücklich bin und alle möglichen negativen Gedanken über Tage hinweg konzertiert mein Wohlbefinden bombardieren und ich völlig erschöpft und vor allem verzweifelt bin.

Ich bin niemand, der viel klagt. Klar bin ich ehrlich und sage durchaus, dass ich im Stress bin, aber das war's meistens auch schon. Manchmal kann ich mich überwinden und heule mich bei vertrauten Menschen aus, aber bei den meisten Personen aus meinem Umfeld ist es dennoch so, dass ich mich, wenn es mir wirklich schlecht geht, vor ihnen lieber zurückziehe, bis es mir besser geht. In meinem unmittelbaren Umfeld sind alle Mütter mit den Vätern ihrer Kinder zusammen. Das ist ein ganz anderer Planet.

Und nun kommt der Moment, den ich so fürchte. Der Teil meines Posting, auf den ich so lange hin gearbeitet habe. Ein Thema, das ich immer, immer vermeiden wollte, weil es andere oft genug sagen und ich mich standhaft geweigert habe, auch nur ein Sterbenswörtchen darüber zu verlieren, weil ich nicht missverstanden werden oder es mir gar mit anderen Frauen verscherzen will. Und nun schreibe ich es doch.

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, zu erzählen, dass es einem eine Zeit lang richtig doll schlecht ging. Und das Schlimmste, wirklich: Das aller-allerschlimmste, falscheste, unpassendste und gefährlichste, was darauf hin entgegnet werden kann, ist, dass man selbst die Situation "kennt" bzw. diese Probleme auch hat.

Ich glaube, es gibt keine alleinerziehende Frau, bei der in so einem Moment nicht eine Million innere Sprengsätze explodieren. Bei mir führt das dann dazu, dass ich gar nicht mehr in der Lage bin, auch nur halbwegs adäquat zu reagieren. Bei fremden Müttern kann ich mit sowas viel besser umgehen, als mit Menschen, die mir nahe stehen. Da versuche ich, gar nicht zu reagieren - aber irgendwann geht das nicht mehr. Darum versuche ich es nun hier und jetzt.

Das Leben ist mehr als eine Aneinanderreihung von Tagen, die sich aus Zeiteinheiten zusammensetzen und ein Alltag ist kein modularisierter Bausatz, bei dem Alleinerziehende in einzelnen Modulen ein technisches Problem haben. Es sind nicht einzelne Stunden, in denen wir eine abgewandelte Version des Lebens gepartnerter Mütter haben. Es sind auch nicht nur einzelne Situationen, die für uns schwieriger sind.

Was uns von Frauen mit Partner unterscheidet ist, dass wir 24/7 die alleinige Verantwortung haben. Mir ist klar, dass in den meisten Partnerschaften die Frauen den größeren Anteil an der Versorgung und Organisation im Zusammenhang mit den Kindern übernehmen - meist wird ja doch eher eine klassische Rollenaufteilung gewählt, in der ein Partner einer Vollzeittätigkeit nachgeht, die die Grundsicherung der Familie gewährleistet, und der andere Teil, mehr oder weniger freiwillig, eine Teilzeitstelle hat, die den Wohlstand sicherstellt - und eben den Alltag mit Kindern wuppt. Dazu gehören sicherlich auch jede Menge Querelen mit dem Kind, eine Menge Ärger, Verletzungen und Enttäuschungen. 

Nur: Selbst, wenn der Mann nicht dauerpräsent ist: Partnerschaft bedeutet auch gemeinsame Verantwortung. Verantwortung füreinander und miteinander. Verantwortung hat nichts mit der Quantität gemeinsamer Zeit zu tun, sondern mit der Art der Beziehung. Diese gemeinsame und gegenseitige Verantwortung ist das, was eine gepartnerte Mutter immer hat, worauf sie sich immer verlassen kann. 

Ich fühle mich irgendwie verpflichtet, auch kurz auf die Frauen einzugehen, die an dieser Stelle denken, dass ihr Mann überhaupt keine Verantwortung übernimmt und sie eher belastet, als auch nur ansatzweise zu unterstützen - ich glaube, von diesen gibt es viele. Und diese Frauen meine ich ganz klar nicht.

In guten, intakten und vor allem gemeinsam ausgehandelten Partnerschaften aber ist eine Mutter eben nicht allein verantwortlich. Und selbst, wenn ihr Partner an vielen Abenden spät nach Hause kommt, so kann sie sich darauf verlassen, dass er grundsätzlich da ist.

Da ist, wenn sie an einem Punkt ist, wo das Kind sie in die Verzweiflung treibt - und dann ein zweiter Mensch da ist, der sich an der Erziehung beteiligen kann (und das hoffentlich dann auch tut!)

Da ist, wenn sie sich Sorgen macht und er sie beruhigt.

Da ist, wenn es darum geht, eine Entscheidung zu treffen.

Und: In den meisten Fällen sichert er - oder eben einer von beiden - die Existenz. Ein zweites Einkommen sichert den Lebensstandard, einen Standard, von dem man als alleinerziehende Frau nicht mal mehr träumt: Eigenheim, optimalerweise groß mit irgendwas Grünem, Auto, Urlaub, Hobbys.

Gerne wird ja darauf hingewiesen, dass der Partner "auch nicht immer da" sei, viel arbeite... aber selbst, wenn er in einer kritischen Situation nicht sofort da ist, so kommt er irgendwann nach Hause. Sie kann sich darauf verlassen, dass er irgendwann nach Hause kommt und dass das nicht eine freiwillige Extraleistung ist, sondern der Teil seiner Verantwortung, die er übernommen hat. Nicht zuletzt, weil er sie liebt und auch ein Interesse daran hat, sie als Partnerin zu behalten.

Die Bindung zwischen Eltern und Kind stellt für das Kind die Basis dar, auf der es seine Umwelt erkunden kann; sie ist das absolute Vertrauen, dass es einen sicheren Hafen gibt, zu dem man immer wieder zurückkehren kann und in dem man mit offenen Armen empfangen wird. Damit wird auch der Grundstein gelegt für die Bindungen, die wir als Erwachsene eingehen und wenn alles gut läuft, erfahren wir eine ähnliche Sicherheit in der Beziehung mit dem Partner. In einer intakten Partnerschaft hat man ein gewisses Maß an Sicherheit; diese Sicherheit macht den Großteil der Existenzberechtigung langjähriger Paarbeziehungen aus, sie ist Sinn und Zweck einer solchen Bindung. Man verhandelt gemeinsam, man plant gemeinsam und man (er-)trägt gemeinsam. 

Ich habe das große Glück, Menschen in meinem Umfeld zu haben, die ihr möglichstes tun, um mich zu unterstützen. Abgesehen davon, dass rein quantitativ meine Verwandtschaft so gut wie all das abdeckt, was normalerweise der getrennte Vater übernehmen sollte (was in der praktischen Umsetzung bei uns schwierig ist), weiß ich, dass ich anderen am Herzen liege und erfahre viel Zuwendung.

Und trotzdem gibt es nichts - nichts - was das Vorhandenseins eines Mitverantwortlichen im Alltag ersetzt. Solange man kein Netz hat, keinen doppelten Boden, keinen sicheren Hafen - ist jede Hilfe, jede Zuwendung, jede Unterstützung, etwas von relativ kurzer Halbwertszeit.

Es sind Dinge, die mein Funktionsniveau aufrecht erhalten, aber sie tragen nichts zur Entschärfung der Gesamtsituation bei. 

Auch nicht die regelmäßigen "freien" Abende, die ich habe und die mir tatsächlich schon einmal als "Vorteil", den ich als Alleinerziehende durch die Unterstützung meiner Mutter habe, unterbreitet wurden - weder gehe ich dann aus, noch schlafe ich am nächsten Tag bis in die Puppen. Häufig vermisse ich mein Kind sogar, wenn er nicht bei mir ist. Ganz, ganz selten sind es mal zwei Nächte am Stück, die ich "frei" habe - und noch seltener erlaube ich mir, solche Zeiten nicht auszunutzen, um ohne gestört oder unterbrochen zu werden zu arbeiten. Wenn ich das nicht mache, dann nur, weil ich so erschöpft bin, dass ich nicht mehr kann. Das ist dann das, wenn andere Urlaub nehmen- eine Zeit, die viele gepaarte Menschen nutzen, um mit ihrer Familie wegzufahren und sich ein, zwei Wochen so richtig zu entspannen, zu regenerieren und es sich gut gehen zu lassen. Eine Sache, die man sich als partnerlose Mutter so ziemlich abschminken kann.

Nein, es gibt nichts, aber auch gar nichts, was es rechtfertigt, die Situation einer Mutter mit vielbeschäftigtem Ehemann in die Waagschale zu werfen, wenn eine partnerlose Mutter erzählt, dass sie vor ein paar Tagen so fertig war, dass sie eine Stunde durchgeheult hat. Alleinerziehend zu sein ist wie im Alltag nur einen Arm haben. Da ist auch das verstauchte Handgelenk beim Zweiarmigen kein adäquater Vergleich. Diesen Unterschied kann man nicht wegdiskutieren.




Meinen Freundinnen und all den gerpartnerten Müttern da draußen gönne ich von Herzen, dass es ihnen besser geht. Ich lasse mir gern von ihren Urlauben erzählen und von den Arbeiten an ihren Häusern, dem neuen Auto, den Ausflügen, dem zweiten und dritten Kind, der Beförderung oder der Auszeit, die sie sich von der Arbeit nehmen, von den Hobbys der Kinder - es sind ihre Lebensentwürfe, sicher ist nicht alles optimal und vieles davon ist mir fremd; manches (z. B. die Haushaltsilfe) hätte ich auch gern, anderes wiederum nicht.

Ich bin für sie froh, dass sie keine Ahnung haben, wie sich die Lage als alleinverantwortliche, alleinerziehende Mutter anfühlt, die sich nur selbst stützen kann, die kein "Wir schaffen das schon!" kennt. Wie es ist, wenn es vorne und hinten fehlt und man sich nur wünscht, mal ein kleines bisschen Sicherheit zu haben. Wenn man sich mehrmals die Woche fragt, was eigentlich passiert, wenn man es nicht schafft, sich aus dieser Lage herauszumanövrieren, und wenn man regelmäßig das Gefühl hat, mit seiner psychischen und körperlichen Kraftaufwendung am Anschlag zu sein. Viele erinnern sich vielleicht an die Zeiten als Single und wie einem da ein gewisser Rückhalt fehlen kann - mit Kind geht es noch einen Schritt weiter und es steht viel, viel mehr auf dem Spiel, wenn ein Kind in einer solche prekären Situation groß wird.

Nur eins wünsche ich mir: Dass sie ein wenig versuchen, sich in meine Lage zu versetzen und sich vorher überlegen, ob gerade ein guter Moment ist, mir ihre Sorgen zu präsentieren, die für mich in manchen Momenten einfach nur wie Luxusprobleme wirken. Ich möchte eine gute Freundin sein, die ein offenes Ohr für ihre lieben Menschen hat. Wenn ich mich schon überwinde zu sagen, dass es mich gerade sehr doll beutelt, dann wäre es lieb, wenn ich mir im nächsten Atemzug nicht anhören muss, dass es auch mit Partner manchmal schwer ist. Dafür verspreche ich hoch und heilig: Wenn mir eine Frau erzählt, dass sie mit ihrem Partner nur noch Streit hat, er sie schlecht behandelt und sie jeden Abend in ihre Kissen weint, werde ich tunlichst vermeiden zu sagen:
"Ohne Partner ist es aber auch ganz schön hart."