Samstag, 12. Dezember 2015

Blei

Letzte Woche musste ich noch einmal in "unser" altes Haus - zur Erinnerung: Das, was ich als "Exil" bezeichne; das Haus mit 22 Etagen, in dem ich mit meinem Sohn nach der Trennung von seinem Vater vier Jahre wohnte.

Als ich damals einzog, war Söhnchens Papa, der ja überall mit dabei war und mithalf, von der Gegend nicht begeistert, das konnte ich sehen. Aber ich fand die Bleibe für den günstigen Preis geradezu riesig und wollte unbedingt weg. Die bedrückende Situation daheim belastete mich, ich konnte sie nicht ertragen, die Traurigkeit, unser beider Hilflosigkeit. Die Wohnung war günstig, Uni und Krippe gut erreichbar, der Rest war mir egal. "Ist ja nur vorübergehend."

Ich war wild entschlossen, das Beste aus der Situation zu machen. Anfangs kam der Papa noch oft vorbei, aber diese unklare Situation hielt ich auch nicht aus und miteinander reden konnten wir nicht mehr. Und so wurde der Abstand zum Rest der Welt immer größer.

Irgendwann wurde mir klar, wo ich gelandet war. Ich weiß nicht, wann genau mir die Erkenntnis kam, dass ich mich fühlte, wie lebendig begraben. Das Haus war völlig heruntergekommen, die Mitbewohner überwiegend höchst unangenehm und wir waren sozial völlig isoliert.

Während mein Sohn glücklicherweise immer gut aufgehoben war in seiner Krippe und später im Kindergarten, spürte ich unsere soziale Isolation in ihrer gesamten Wucht. Ich gehörte nirgends wirklich dazu: Nicht zu den anderen Studierenden - die waren in der Regel 10 Jahre jünger, wobei das nicht das Entscheidende war. Viel wesentlicher ist es, ein Kind zu haben, während die Kommilitonen im Grunde noch Kinder sind, deren familiäre Sorgen sich bei einem großen Teil noch darum drehen, dass sie am Freitag wenig Lehrveranstaltungen haben, um noch nach Hause fahren zu können.
Meine Probleme bestanden indes darin, einen Platz in den Kursen zu bekommen, die im Rahmen der Betreuungszeiten stattfanden. Und da man als Alleinerziehende nicht bevorzugt werden und sich im Vorfeld für Kurse anmelden darf (wobei es Dozenten gab, denen das egal war und mir einen Platz in ihrem Seminar versprachen - aber eben nur wenige), saß auch ich zu jedem Seminar-Anmeldetermin an meinem Rechner, um wie über 100 Studierende gleichzeitig in der entscheidenden Sekunde den Mausklick auf dem Button zum gewünschten Kurs zu machen. Mit mehr oder weniger Erfolg - aber immer unter maximalem Druck und nicht nur mit Plan B, sondern Plänen B - Z im Ärmel.

An sich kam ich in meinem ersten Semester nach der Trennung mit meinen Kommilitonen nicht gut zurecht. (Erst ganz zum Schluss fand sich eine Kommilitonin, mit der die letzten Monate dort auch wirklich noch schön wurden - bis heute eine liebe Freundin - und ein weiterer Psychologe, der mir auch erhalten geblieben ist). Sie gingen mir auf die Nerven mit ihren Problemchen, die mir nur lächerlich erschienen. Ja, die Einsamkeit brachte Seiten an mir hervor, die ich von mir nicht kannte. Damals war es mir egal. Ich glaube, wenn diese Seiten nicht herausgeholt hätte, hätte ich jeden Tag geheult.

Nun gab es natürlich auch andere Studierende mit Kindern. Aber die hatten ja ihre Partner... genau so, wie später die anderen Mütter im Kindergarten. Ja, klar gibt es Kontakte, aber  gelegentliche Treffen alle paar Monate ersetzen nicht das, was einem fehlt, wenn man richtig allein ist. Die Probleme sind meistens auch etwas anders - selbst, wenn es unter diesen einige gibt, die die ganze Woche größtenteils allein sind, weil ihre Männer arbeiten gehen, ist das - entgegen deren eigener Einschätzung - nicht "fast alleinerziehend". Und nein, da schüttet man nur bei den wenigsten (eine gab es, glücklicherweise, und gibt es bis heute...) gern sein Herz aus darüber, wie bescheiden es einem geht.

Ganz abgesehen davon, dass man unheimlich viel Schmerz und Trauer in sich trägt und mit seiner früheren Beziehung eine Menge Probleme am A**** hat.

Wobei ich da noch zu den glücklichen zähle, die zu dem Papa ein recht gutes Verhältnis pflegen. Das war aber im ersten Jahr noch nicht so klar; auch er litt heftig unter der Trennung und ging auf seine eigene Weise damit um; eine Weise, mit der ich massive Probleme hatte und die mir große Sorgen machte. Aber es ging, wir holten uns Hilfe, gaben uns gegenseitig viele, viele Chancen und nun hat es sich gut eingepndelt - ohne seine Unterstützung hätte ich mein Studium an den Nagel hängen können. Aber das erste Jahr war trotzdem furchbar.

Ich suchte also Anschluss und wollte andere Alleinerziehende finden. Einmal ging ich zu einem Treffen eines Vereins - und wusste, dass ich auch da absolut nicht hingehörte. Die Frauen dort waren so... anders. Da war nichts mit einer netten Begrüßung und gegenseitigem Interesse. Ich war froh, als ich wieder weg war.

Tja.

Viel blieb da nicht mehr. Wochenlang waren die einzigen Erwachsenen, mit denen ich ein paar freundliche Worte wechselte - neben den Erzieherinnen beim Bringen und Abholen meines Kindes - die Kassierer/innen im Supermarkt vor der Tür. Ich hatte den Eindruck, dass sie froh waren, mich zu sehen. Schätzungsweise 50% der Klientel dort kamen, um sich mit Zigaretten, Alkohol und Fertiggerichten einzudecken. Zu meinem Sohn waren sie auch immer wahnsinnig nett. Also die Mitarbeiter im Supermarkt.

Die Zeit dort zehrte an mir. Ich war vom Regen in die Traufe gekommen und mir steckten auch noch andere Zeiten in den Knochen; der Tod meines Vaters und die schlechten Beziehungserfahrungen, die ich in meinen Zwanzigern gemacht hatte sowie Traumata aus jener Zeit; Traumata, die ich mir bis dahin nie eingestanden hatte, weil ich mir, wie das mal so ist, selbst die Schuld an allem gab.

Wenn ich heute Bilder von damals anschaue, sehe ich, wie ich verzweifelt versucht habe, meinem Sohn alles so schön wie möglich zu machen. Denn bei allem, was ich damals entbehrte, war das Schlimmste und Tragischste für mich das, was, ich meinem Sohn meinte anzutun. Allein hätte ich es in diesem Ghetto-Haus noch ertragen können. Aber mit diesem kleinen Wesen, das so auf mich angewiesen war, dessen Geschichte der ersten Lebensjahre ich schreiben würde, war es einfach nur schmerzhaft und kaum auszuhalten.

Ich war randvoll mit Trauer: Trauer, weil mein Sohn nicht in der heilen Welt groß werden würde, die wir ihm schenken hatten wollen und auch großer Trauer für seinen Vater und mich. Auch, wenn ich nicht mehr mit ihm zusammen sein wollte, war ich unendlich traurig für uns beide. Als wir uns trafen, waren wir so glücklich - beide hatten wir vom Leben die totale Breitseite abbekommen und waren voller Hoffnung, gemeinsam zur Ruhe zu kommen... wie bitter wurde diese Hoffnung enttäuscht. Und wir hätten es beide verdient gehabt, unsere Ruhe im Familienglück zu finden. Es war einfach nur furchtbar schwer zu ertragen.

Ja, diese Erinnerungen fühlen sich an wie Blei. Schwer und bedrückend.

Und vor drei Tagen machte ich mich auf den Weg dorthin zurück, um ein Paket abzuholen, das ich versehentlich an die alte Adresse hatte schicken lassen und bei der Gelegenheit dem Hausmeister - der beste der Welt und das einzig Positive an diesem grauenhaften Haus - noch einen Schlüssel zu übergeben.

Danach machte ich einen Spaziergang - einen Weg, den ich früher oft gegangen war, durch einen mit Strommasten gespickten Grünstreifen mit Aussicht auf Schlote, Schnellstraße und Hochhäuser. Ich hörte gerade Musik von Angus & Julia Stone - Musik ist doch immer wieder gut, um ans Innere heranzukommen (darum höre ich in meiner Exil-Zeit eigentlich gar keine Musik!). Die Sonne stand schon tief und alles leuchtete warm. Und da kam es endlich - mir stiegen die Tränen in die Augen; mir wurde klar, dass ich mir auch Leid tun durfte. Nach über einem Jahr Abstand konnte ich endlich auch Mitleid mit mir, Sonja, haben, die sich vier Jahre durchgekämpft hat in ihrem Exil,  einsam, traurig, vollkommen überlastet, erschöpft und emotional völlig ausgeblutet.




Ich spazierte an einer Brücke vorbei und sah aus dem Augenwinkel, dass da etwas hingesetzt wurde. Ein kleiner Plüschlöwe, nass und verdreckt. Ich ging hin und wollte ihn fotografieren, weil er, wie er da saß, so sinnbildlich war für die Einsamkeit, an die ich mich gerade erinnerte. Und als ich ihn gerade fotografieren wollt, wurde mir klar, dass ich ihn mitnahm. Und nun ist der Löwe bei uns.



Ein paar Schritte weiter kam dann die Fußgängerunterführung, die mir so vertraut war. Dort sitzen eigentlich immer Obdachlose und einem, der eine Weile immer dort war, hatte ich damals auch immer etwas gegeben. An jedem Tag war keiner da, scheinbar war er kurz weg. Was ich dort aber sah, passte so gut zu meiner emotionalen Lage, zu meinem Thema, dass ich es auch fotografierte - man muss genau hinschauen:



Nun ist das Kapitel endgültig abgeschlossen. Nein, ich hatte kein Bedürfnis danach, noch einmal hineinzugehen oder im Supermarkt vorbeizuschauen und hallo zu sagen. Meine Situation zur Zeit bietet immer noch Luft nach oben, verglichen zu dem, wie andere Familien zusammenleben und was sie sich gönnen können - aber im Vergleich zu damals ist das hier der Himmel. Und immerhin weiß ich jetzt, wie es sich anfühlt, ganz unten zu sein - und dass ich auch das überlebe.














Mittwoch, 9. Dezember 2015

Was tun bei (Liebes-)Kummer?

Christine hat in ihrem Blog "Mama arbeite" die Frage in den Raum gestellt, was bei Liebeskummer zu tun sei: Spricht man mit den Kindern darüber, wenn Kummer einen sehr belastet?

Meine Antwort darauf ist ein ganz klares Ja. Natürlich! Weil Verschweigen niemandem hilft:

  • Wir wissen, welche feinen Antennen unsere Kinder haben und werden von ihnen auch damit konfrontiert, wenn sie unsere emotionale Schieflage spüren. Ich weiß von mir, dass es mir - abgesehen von allem, was ich mir darüber denke - emotional maximales Unbehagen bereitet, wenn ich weiß, etwas stimmt nicht und ich kann nicht einordnen, warum. Ich gehe stark davon aus, dass unsere Kinder das ähnlich erleben. Ich möchte nicht, dass mein Kind ein solches Unbehagen spürt.
  • Ich muss mich verstellen. Das stengt an, frisst Ressourcen! Für mich persönlich gesprochen kann ich hier nur sagen: Ich brauche meine Ressourcen. Jede noch so kleine Anstrengung, mich zu verstellen, stresst mich ungemein. Langfristig mag das nicht so sehr ins Gewicht fallen, aber in jedem Moment, in dem ich belastende Gedanken in mich hineinfresse, habe ich eine kürzere "Zündschnur", als sonst. Ich habe dann nicht die Kraft und Geduld, die ich sonst habe und die ein Kind, egal in welchem Alter, einfordert.
Kann es per se auch gut sein, mit seinen Kindern über seine Sorgen zu sprechen? Meiner Meinung nach: Absolut, ja! Auch hierzu habe ich ein paar Überlegungen:
  • Wenn wir unseren Kindern auch unsere Niederlagen mitteilen, lernen sie, dass so etwas zum Leben dazugehört. 
  • Sie lernen uns als Menschen mit Gefühlen besser kennen.
  • Sie werden irgendwann erkennen, dass wir ihnen vertrauen und das hoffentlich als Einladung verstehen, sich uns auch mit ihren Gefühlen anzuvertrauen.
  • Sie können von uns lernen. Wir sind die Modelle, an denen sich unsere Kinder orientieren und können ihnen zeigen, dass man seine Gefühle zugeben darf und auch, dass es einem hinterher besser geht. Und, wie man mit (Liebes-)Kummer umgehen kann.
Die entscheidende Frage ist gar nicht so sehr ob, sondern wie ich mit meinem Kind über solche Dinge spreche.

Als mein Sohn kleiner war, habe ich ihm erklärt, dass die Liebe im Herzen sitzt. Liebe hat er schon früh verstanden. Dass Mama ihn liebt und er die Mama und den Papa und die Oma. Dass auch Erwachsene sich lieben, aber dass das eine andere Liebe ist, die auch wieder weggehen kann, anders, als die Liebe zum Kind, die bleibt immer, weil sie im Herzen ganz fest sitzt.

Bei kleineren Kindern kann man mit Gestik und Mimik (und vielleicht einem Kuscheltier oder zweien?) viel veranschaulichen, auf sein Herz zeigen und sagen: Mein Herz ist heute schwer. Mich hat jemand nicht so lieb, wie ich ihn habe und das macht mich traurig. Ich denke ganz viel darüber nach und bin gerade nicht so fröhlich, wie sonst. Du musst Dir aber keine Sorgen machen, das geht wieder vorbei!

Das Kind wird vielleicht nachfragen - wer? Warum hat er dich nicht lieb?

Vermutlich wird es auf jede Frage eine Antwort geben, die allgemein genug ist, aber trotzdem das Kind als Gesprächspartner würdigt. Aber da wir die Tendenz von kleineren Kindern kennen, an jede Antwort eine neue Frage anzuhängen, darf man dem Ganzen auch einen Schlusspunkt setzen: "Jetzt weißt Du, warum ich ein bisschen traurig bin. Ich möchte aber nicht so viel darüber sprechen und lieber etwas Schönes mit Dir machen. Hast Du Lust auf ...?".

Bei Teenagern finde ich übrigens auch, dass ein (relativ) offenes Gespräch ein toller Vertrauensbeweis sein kann. Aber natürlich ist die Hürde der Selbstoffenbarung da um einiges größer. Vor allem, weil Teenies wohl nicht so sehr am Liebesleben ihrer Mütter interessiert sind. Dennoch könnte der Satz: "Hör zu, ich bin gerade etwas gereizt/traurig. Stell Dir vor: Deine Mutter hat Liebeskummer!" halb-humorig, aber sehr ehrlich, zumindest die Last von den Schultern nehmen, sich verbiegen zu müssen.

Das heißt natürlich nicht, dass wir unsere Kinder zu unseren Kummerkästen machen und sie mit unseren Sorgen belasten dürfen - aber wenn wir offen darüber sprechen, dürfte das weniger belastend sein, als wenn wir ständig gereizt oder niedergeschlagen sind und das von den feinen Antennen unserer Kinder empfangen und gefühlt wird.

Und: Wenn wir unseren Kindern gestatten, uns ein klein wenig aufzumutern, sofern sie von sich aus kommen und z. B. mit einer Umarmung reagieren, oder einfach nur ihr Mitgefühl ausdrücken, erfahren sie Selbstwirksamkeit: Sie können die Mama trösten!

Zu guter Letzt halte ich es für einen wohltuenden Schritt für sich selbst. Ein weiterer Schritt, den Kummer zu verarbeiten: Wir leugnen unseren Kummer nicht vor unseren Kindern und damit auch nicht vor uns selbst.

Und wenn die Kinder selbst einmal Liebeskummer haben, vertrauen sie sich vielleicht auch uns einmal an.

Sonntag, 6. Dezember 2015

Weihnachten?!

Im Vereinbarkeitsblog wird heute gefragt, wie bei uns Doppelagentinnen der Advent so läuft, also eher hektisch oder besinnlich. Ich antworte hier, weil es so gut passt:

Mein Schlachtplan:

  • Mindestens einen Monat vor Weihnachten einen Zeitplan machen. Der hat zwar in den seltensten Fällen etwas mit meinem Privatleben zu tun, aber wenn er fertig ist, sehe ich genau, an wie vielen Tagen ich überhaupt noch Freizeit habe. Dieses Jahr sind es bis Weihnachten noch genau: Null. Jedes Wochenende ist mit Arbeit verplant, der Junge ist beim Papa.
  • Plätzchen: Plätzchen?! Kein einziges. Der Illusion gebe ich mich schon gar nicht mehr hin...
  • Weihnachtsgeschenke werden online bestellt. Nein: Wurden. In der Regel das ganze Jahr über und irgendwann ist dann auch Weihnachten, auf jeden Fall immer rechtzeitig. Beschenkt werden genau vier Personen: Kind, Mutter, Cousine + ihr Mann. Bisher kam immer eine selbstgemachte Komponente mit unter den Baum, auch dafür habe ich dieses Jahr keine Zeit. Tja. Alle sind vorgewarnt, es wird also keiner enttäuscht sein, dass es heuer keine selbstgesiedete Seife, Konfitüre oder Stollenkonfekt gibt.
  • Dieses Jahr verzichte ich sogar auf mein heißgeliebtes Menü - die Familie bekochen ist eigentlich mein absolutes Highlight. Dieses Jahr: Raclette.
  • Deko: Eine Woche vor dem ersten Advent und zwar genau zwei Adventskränze. Beide aus Blech, trotzdem hübsch und Kerzen habe ich das ganze Jahr. Die Jahre zuvor holte ich immer alles raus, dieses Jahr habe ich festgestellt, dass weniger mehr ist. Und gleichzeitig doch weniger, nämlich: Weniger Zeug, das beim Abstauben im Weg herumsteht. Ach ja, die Weihnachtsservietten hätte ich fast unterschlagen. 
  • Allerdings wird ein Segment aus dem Wohnzimmerregal komplett leergemacht und mit Weihnachtsbüchern und CDs gefüllt, die wir jedes Jahr herausholen.
  • Und jetzt kommt's: Ich konnte mich zu einem Plastikbaum durchringen. Ja, furchtbar! Aber: Über die Jahre gerechnet günstiger als ein echter, weniger Dreck durch herabfallende Nadeln, ich habe ihn immer daheim und muss keinen mehr besorgen und er ist hübsch! Und fast doppelt so groß, wie die 20-Euro-Miniaturbäumchen, um die es mir zudem irgendwie immer Leid tat.
Klingt total unromantisch, oder?

Weihnachten ist trotzdem mein Lieblingsfest. Ich bin kein Christ und dennoch bedeutet es mir viel. Es ist für mich ein Fest, bei dem es um Liebe und Licht geht in einer kalten und dunklen Zeit. Und zwar physikalisch und gesellschaftlich dunkel, dieses Jahr ganz besonders!

Meine schönsten Kindheitserinnerungen verbinde ich mit Weihnachten. Ich höre die Musik im Wohnzimmer meiner Eltern noch immer, habe die Gerüche in der Nase, als wäre es gestern gewesen. Auch unsere kleinen Traditionen, wie die vorweihnachtlichen Ausflüge mit meinem Vater oder die Messinganhänge, die meine Eltern sich gegenseitig an die Geschenke machten oder unsere Weihnachtspyramide, haben sich vor allem in mein emotionales Gedächtnis eingebrannt; von diesen Erinnerungen werde ich wohl mein Leben lang zehren.

Wie holen wir uns aber heute unsere besinnlichen Momente, wir zwei . zu der Zeit, in der klassischerweise bei mir die Arbeitslast immer ihr Jahreshoch erreicht?
  • Jeden Morgen gibt es eine schöne, ruhige und festliche Kinder-CD mit Liedern, Geschichten und Gedichten.
  • Wenn ich die Wohnung nicht gleich am Morgen verlassen muss, was zurzeit fast immer der Fall ist, wird eine Kerze angezündet. 

 


  • Eines unserer täglichen Highlights ist die Adventskalender-App und zwar der Adventskalender von Jackie Lawson: Das Türchen wird beim Frühstück am Tisch geöffnet, ähm: Angeklickt. Danach folgen die anderen Adventskalender.


  • Und Abends gehören Weihnachts-CDs, Kerzen, Räucherkegel und natürlich Vorlesen zu unserem Programm (Sandmännchen-Adventskalender-Geschichten. Mindestens). Mein Sohn darf danach häufig im Wohnzimmer auf dem Sofa eingekuschelt noch eine CD anhören und wenn er dabei einschläft, trage ich ihn ins Bett. Meist spielt er aber nur, dass er eingeschlafen ist, und ich muss so tun, als sei er tatsächlich eingeschlafen und ihn trotzdem in sein Zimmer tragen...
  • Kleine Spaziergänge am Abend bringen noch ein wenig Zauber in den Alltag. Die schönen Lichter überall versetzen uns für eine Weile in einen richtig aufgeregten Zustand voller Vorfreude.
  • Nicht zu vergessen das geschmückte Fenster im Kinderzimmer: 
Ich hoffe, das ist das letzte richtig stressige Weihnachten. Ich wünsche mir sehr, dass ich nächstes Jahr wieder ein bisschen weniger "ökonomisch" vorgehen muss.

Am 24. ist mein Sohn tagsüber beim Papa und kommt spät nachmittags zu mir. Bis dahin werde ich den ganzen Tag kitschige Musik hören und den Tisch festlich herrichten und am 25. und 26. dann vor allem: Einen Gang runterschalten mit den Menschen, die mir am meisten bedeuten.